Samstag, 7. September 2013
Herzenskalt aufgrund verletzer Gefühle
Da das momentan wieder groß breitgetreten wird, möchte ich die Gelegenheit nutzen, um meine Meinung zu dem „Ich wurde verletzt und bin jetzt herzenskalt“-Thema loszuwerden.

Auch auf die Gefahr hin, jetzt vielleicht dem ein oder anderen damit zu nahe oder gar auf die Füße zu treten: Seht es bitte einfach als Denkanstoß.

Wir alle wurden in unserem Leben schon einmal verletzt – und wir alle werden es auch noch viele Male werden. Egal, wie sehr wir uns anstrengen: Es wird immer Momente geben, die uns im Herzen wehtun, uns innerlich zerreißen.

Wir sind Menschen. Das ist es, was uns ausmacht. Wir fühlen, haben Gefühle und wollen Gefühle fühlen. Das ist Menschlichkeit.

Aber was passiert, wenn wir uns aufgrund eines verletzten Herzens vor unseren eigenen – und den Gefühlen anderer – verschließen? Was, wenn wir alle, die wir in unserem Leben schon verletzt wurden, das tun?

Was bleibt von unserem Menschsein?
Eine leere Hülle unseres Selbst.

Ja, wir werden weiter funktionieren. Ja, vermutlich sogar besser. Aber was sind wir dann noch? Was unterscheidet uns dann noch von einer Maschine?

Nicht unser Kopf, nicht unser Verstand macht uns zu dem, was wir sind, sondern unsere Art zu fühlen: unser Herz – oder von mir aus auch unser Bauch.

Sobald wir aber unsere Gefühle wegsperren, sperren wir auch uns selbst weg. Unsere Persönlichkeit. Und alles andere, was uns von einer zwar toll funktionierenden, aber leblosen Maschine unterscheidet.

Es heißt „Liebe machen“, nicht „reproduzieren“!

Ihr, die ihr davon sprecht, man müsse eiskalt werden, wenn man verletzt wurde: Was denkt ihr, tut ihr denjenigen an, die noch Hoffnung haben und die nicht aufgeben wollen, an die Menschlichkeit zu glauben?

Wie lange, denkt ihr, halten sie es aus, bis auch sie sich vor allem verschließen, was uns allen von Natur aus gegeben ist – und was wir insgeheim auch erleben und ausleben möchten?

Und was, wenn sie sich auch vor euch verschließen?

Wir alle wurden verletzt und werden es wieder. Mit oder ohne gelebte Gefühle. Wir leiden. Wir trauern. Wir weinen und schreien.

Wir haben geliebte Menschen, vertraute Gefährten auf unserem Lebensweg verloren. Manche werden wir leider nie wieder sehen, da sie für immer fort sind. Andere können wir nicht mehr sehen, auch wenn wir uns das sehr wünschten. Und wieder andere wollen uns – oder wir sie – nicht mehr sehen.

Und dennoch leben wir weiter.

Aber sind es nicht die Menschen eben dieser Gruppe, die uns wieder zurück auf den rechten Weg führen? Sind sie es nicht, die uns sagen: Es wird alles wieder gut – und wir sollen die Hoffnung nie aufgeben?

Es sind eben diese Menschen, die uns das Gefühl geben, nicht allein zu sein.

Und ist es nicht schön zu wissen, dass man harte Wege nicht allein meistern muss? Ist es nicht wunderbar zu wissen, dass es jemanden gibt, der immer für einen da ist? Und ist es nicht das schönste aller Gefühle, zu lieben und geliebt zu werden?

Warum sollten wir uns davon verabschieden, indem wir nichts hiervon mehr zulassen?

Und jetzt kommt’s: Keiner von uns kann sich tatsächlich vor seinen Gefühlen verstecken. Wir alle fühlen. Tag und Nacht. Gute und weniger gute.

Und doch sprecht ihr davon, ihr wärt gefühlskalt.

Alles, was ihr damit tut, ist: die Gefühle anderer zu verletzen. Denn nur weil ihr sie nicht zeigt, heißt das nicht, dass ihr sie nicht habt. Oder etwa nicht?

Ihr wollt von anderen nicht mehr verletzt werden?

Dann zeigt ihnen eure Gefühle. Denn nur so werden sie erkennen können, was euch berührt, was euch fehlt und wovon ihr träumt.

Schließt euch nicht selbst aus dem Leben aus. Es ist viel zu schön, als dass man keinem davon erzählt! Und es ist zweifelsohne schöner, es mit jemandem zu teilen, als es allein abzusitzen.

Wir alle streben instinktiv nach Liebe, Geborgenheit und Glück. All das sind Gefühle.

Um sie erleben zu können, müssen wir sie jedoch zulassen. Um geliebt werden zu können, müssen wir lieben können. Um Geborgenheit zu bekommen, müssen wir sie suchen. Und um glücklich zu sein, müssen wir einfach loslassen können.

Geht raus. Kommt aus euch raus. Lebt. Werdet glücklich.

Nur dann findet ihr die Liebe und Geborgenheit, nach der ihr euch sehnt.

Bitte werdet nicht zu einer Maschine.

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🙏

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